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Männer kochen auch nur mit Wasser

Prof. Dr. Petra Thürmann ist stellvertretende ärztliche Direktorin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal. Darüber hinaus verantwortet sie eine Vielzahl von Studien und Forschungsprojekten als Direktorin des Philipp Klee-Instituts für Pharmakologie. Im Interview haben wir mit unserer „Frau in Führung" gesprochen, wie sie ihren Karriereweg gestaltet hat und wie sich ihr Führungsstil von männlichen Kollegen unterscheidet.
30. Dezember 2022
Männer kochen auch nur mit Wasser

Glauben Sie, dass Ihr Weg nach oben schwieriger war als bei Männern?

Einerseits ja, andererseits nein, je nachdem in welchem Kontext ich mich bewegt habe. Da mein früherer Chef (Prof. Norbert Rietbrock, Universitätsklinikum Frankfurt) mit einer Professorin und Chefärztin verheiratet war, war er sehr daran interessiert, eine Frau zu habilitieren. Das war sicherlich für meine Karriere sehr förderlich, und er hat mich bereits sehr früh als seine Vertretung zu internationalen Kongressen, in internationale Studien-Boards und auch in nationale Gremien entsendet. In diesen Gremien wiederum war ich dann häufig die einzige Frau oder durfte sehr deutlich spüren, dass ich in dieser Gruppe eigentlich nicht „mitspielen“ durfte.

Am Ende hatte ich insofern Glück, als dass ich mit meinem Fachgebiet Klinische Pharmakologie eines ausgewählt habe, in dem es zwar Konkurrenz, aber so viel zu tun gibt, dass wir uns gegenseitig leben lassen! Immerhin konnte ich mich 1997 gegen 23 männliche Mitbewerber in Wuppertal durchsetzen und leite seitdem das Institut hier und habe den Lehrstuhl an der Universität Witten/Herdecke. In den letzten Jahren habe ich zumindest von meiner Position aus nur selten persönlich „Geschlechter-Gegenwind“ erlebt.

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem eines Mannes?

Ich weiß nicht, ob mein Führungsstil so viel anders ist, wie der einiger männlicher Kollegen, die ich sehr schätze. Mir ist es wichtig, dass alle meine Mitarbeiter: innen im Team eine Position inne haben, mit der sie sich wohlfühlen. Dass sie nicht unter- aber auch nicht überfordert sind. Möglicherweise stelle ich mich häufiger vor meine Mitarbeiter: innen und übernehme Verantwortung und Tätigkeiten, aus einem gewissen Mütterlichkeitsinstinkt heraus. Andererseits erwarte ich auch von Frauen, dass sie bei Karrierewunsch auch an ihre Grenzen gehen und sich genauso einsetzen, wie ihre männlichen Kollegen auch.

Was geben Sie Frauen mit, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Suchen Sie sich Kolleg: innen, mit denen Sie im Team etwas gemeinsam aufbauen können, denn in einer Gruppe sind Sie alle gemeinsam stark und können profitieren. Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. Wichtiger ist es meines Erachtens nach, entsprechende Mentor: innen zu finden, an die man sich im speziellen Kontext wenden kann. Möglicherweise benötigt Frau für das fachliche Weiterkommen eine andere Mentorin/einen anderen Mentor, als wenn es um die wissenschaftliche Karriere geht. Außerdem lohnt es sich immer, auch außerhalb der eigenen Institution Mentor: innen zu finden, die noch einmal einen ganz anderen und weniger verfälschten Blick haben, als beispielsweise die eigene Chefin oder der eigene Chef.

Männer kochen auch nur mit Wasser!