Welche Ursachen für Gelenkverschleiß gibt es?
Arthrose im Hüftgelenk ist eine der häufigsten Ursachen für ein Implantat in der Hüfte. Das Hüftgelenk ist von einer Knorpelschicht umgeben, die als eine Art "Stoßdämpfer" zwischen den Knochen dient. Diese Knorpelschicht kann sich mit der Zeit abnutzen, die Knochen reiben aufeinander und es entstehen Schmerzen.
Man unterscheidet zwischen der primären Coxarthrose, bei der es zu einer Abnutzung des Knorpels ohne ein auslösendes Ereignis kommt und der sekundären Coxarthrose. Hier können sehr unterschiedliche Auslöser für den Gelenkverschleiß verantwortlich sein, wie beispielsweise:
- Hüftkopfnekrose (Durchblutungsstörung des Hüftkopfes)
- Rheumatische Erkrankungen (beispielsweise rheumatoide Arthritis)
- Spätfolge von Knochenbrüchen (wie Oberschenkelhalsbruch)
- Komplikationen von Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Gicht)
- Spätfolgen eines Morbus Perthes (Juvenile Hüftkopfnekrose)
- Spätfolgen einer Epiphyseolysis capitis femoris (Juveniles Hüftkopfgleiten)
- Spätfolgen nach Infektionen des Hüftgelenks (Osteomyeltitis)
Wann ist eine Hüftoperation notwendig?
Im ersten Schritt werden die Beschwerden konservativ behandelt. Hier kommen Physiotherapie oder Chirotherapie (eine manuelle Therapie, bei der durch Massage oder Druck Blockaden gelöst werden) sowie entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente zu Einsatz.
Wenn diese nicht mehr helfen und die Lebensqualität des Patienten zunehmend eingeschränkt ist, kann durch ein künstliches Gelenk (auch Endoprothese genannt) der Schmerz gelindert und die Funktionalität wieder hergestellt werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU) hat in ihren Leitlinien Kriterien festgelegt, wann eine Operation in Betracht gezogen werden sollte:
- die Schmerzen beeinträchtigen den Alltag der Patienten
- die konservative Behandlung lindert die Schmerzsymptomatik auch nach drei Monaten nicht ausreichend
- Röntgenbilder bestätigen die Diagnose
- behandelnder Arzt und Patient haben Vor- und Nachteile eines Eingriffs gemeinsam abgewogen
Verschiedene Methoden der Hüftoperation
Die Hüftendoprothese besteht immer aus drei Anteilen. Einer Pfanne mit Plastik (Polyethylen) oder Keramik Inlay, einem Hüftkopf (aus Keramik) sowie einem Hüftschaft. Dieser Schaft von circa 15 Zentimetern Länge wird im Oberschenkelknochen fixiert. Man spricht dann von einer Totalendoprothese (TEP oder Hüft-TEP).
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Methoden ein künstliches Hüftgelenk zu verankern: Zementfreie Endoprothesen und solche, die mit Hilfe von Knochenzement im Knochen befestigt werden. Beide Verfahren können auch kombiniert werden. Man spricht dann von einer Hybrid-Endoprothese.
Was ist eine zementfreie Endoprothese?
Die zementfrei verankerten Hüftprothesen sind der Standard bei über 80 Prozent aller Patienten in Deutschland, sofern es hinsichtlich der Form der Gelenke und der Beschaffenheit des Knochens keine Auffälligkeiten gibt. Der im Oberschenkel verankerte Prothesenschaft und die Hüftpfanne bestehen aus gut verträglichen Titanlegierungen. Für das eigentliche Gelenk - das aus Hüftkopf und Pfanneninlay besteht - wird meist eine Gleitpaarung aus einem Keramikkopf in Verbindung mit einem Polyethyleninlay verwendet.
Was ist eine zementierte Hüftendoprothese?
Ist die Knochenqualität eingeschränkt, beispielsweise durch eine Osteoporose, oder existieren anatomische Besonderheiten, die keine zementfreie Verankerung erlauben, werden die Prothesenteile mit einem Knochenzement – meist am Schaft – fixiert.
Was passiert vor der Hüftoperation?
Bei einer umfassenden Voruntersuchung werden Art und Ausmaß der Erkrankung genau bestimmt. Dann muss der Arzt entscheiden, welche Prothesenform und Verankerung im individuellen Fall gewählt wird.
Die Patienten werden mit spezieller Physiotherapie auf die OP vorbereitet: Ein gezielter Muskelaufbau im Bereich der Hüfte sowie einer Verbesserung der Beweglichkeit sorgen für eine schnellere Regeneration nach der Operation.
Eventuell vorhandenes Übergewicht sollte vor der Operation nach Möglichkeit abgebaut werden. Gerinnungshemmende Medikamente sollten in Absprache mit dem Arzt vor dem Eingriff abgesetzt werden. Auch das Rauchen sollte vermieden oder reduziert werden.
Künstliches Hüftgelenk: Ablauf der Implantation
Vor der Operation führt der Chirurg umfassende Voruntersuchungen durch und plant die genaue Position des Implantats anhand einer computergestützten Planungsskizze. Zudem klärt er den Patienten über den Ablauf und ein mögliches Risiko auf. Die Operation wird in Rückenmarksnarkose oder Vollnarkose durchgeführt. Bei einer Hüft-Operation gibt es verschiedene OP-Techniken – man unterscheidet zwischen der "klassischen" und den minimal-invasiven Operationsmethoden.
Klassische Operation
Beim herkömmlichen Eingriff erfolgt der Zugang zum Hüftknochen durch einen circa 15 Zentimeter langen Schnitt. Um Zugang zum Hüftknochen zu bekommen, wird entlang der Muskeln eine Spaltung durchgeführt. Jetzt wird das abgenutzte Knochenmaterial entfernt und der Knochen für das Implantat vorbereitet. Dazu bearbeitet der Operateur die Becken- und Oberschenkelknochen mit speziellen Fräsen und Raspeln, um das Implantat einzupassen.
Minimal-invasive Operation
Die minimal-invasive Operation läuft im Prinzip ähnlich ab wie die klassische Variante. Beim minimal-invasiven Zugang arbeitet der Chirurg durch die natürliche Muskellücke hindurch. Die Muskeln müssen nicht durchtrennt, sondern lediglich beiseitegeschoben werden. Mit dieser Methode sind Patienten mit der neuen Hüfte sehr viel schneller wieder gehfähig, die gesamte Rehabilitationszeit lässt sich erheblich verkürzen. In vielen Fällen ist eine stationäre Rehabilitation nach der Operation nicht notwendig.
Auch wenn die minimal-invasiven Operationsmethoden für die Patienten viele Vorteile bieten, kann die klassische Operationsvariante im individuellen Fall zu besseren Ergebnissen führen. Ihr Arzt wird die für Sie beste Varianten ausführlich mit Ihnen besprechen.
Was geschieht nach der Hüft-OP?
Nach der Operation wird der Verband alle drei bis vier Tage gewechselt und die Patienten erhalten eine begleitende Schmerztherapie. Das Rehabilitationsprogramm beginnt bereits am Tag der Operation unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Dieses Verfahren nennt sich „Fast Track“-Behandlung: Kreislauf und Muskeln werden frühzeitig angeregt, der Verbleib im Krankenhaus beträgt für die meisten Patienten nur drei bis vier Tage.
Während des Aufenthalts in der Klinik kontrolliert der Operateur regelmäßig den Heilungsverlauf. Die Fäden oder Klammern werden 12 bis 14 Tage nach der Operation gezogen.
Wie lange dauert die Rehabilitation?
Die in der Klinik begonnenen Rehabilitationsmaßnahmen werden nach dem Krankenhausaufenthalt fortgesetzt. Durch gezielte Krankengymnastik wird die Beweglichkeit des Gelenks verbessert.
Wie lange die Rehabilitation dauert, lässt sich pauschal nicht sagen. In der Regel erfolgt eine ambulante Reha. Die stationäre Rehabilitation dauert zwei bis drei Wochen.
Je nach Beruf und gewählter OP-Methode sind die Patienten nach zwei bis drei Monaten wieder arbeitsfähig.
Wie lange brauche ich nach einer Hüft-OP eine Toilettensitzerhöhung?
Es ist sinnvoll, nach der Operation eine Toilettensitzerhöhung für circa sechs Wochen zu verwenden. Diese erleichtert das Hinsetzen und Aufstehen und schont das neue Gelenk, bis es wieder voll belastbar ist. Die Dauer ist im individuellen Fall sehr unterschiedlich und hängt vom individuellen Heilungsverlauf ab. Ihr behandelnder Arzt wird mit Ihnen besprechen, wie lange Sie die Toilettensitzerhöhung verwenden sollten.
Wie lange darf ich nach einer Hüft-OP sitzen?
Nach der Hüftoperation ist die Gefahr, dass das neue Gelenk auskugelt, noch besonders hoch. Deswegen sollten Sie in den ersten Wochen nach der OP das Bein nicht mehr als 90-Grad beugen. Achten Sie darauf, dass Sie immer leicht erhöht sitzen, die Hüfte also höher gelagert ist als das Knie. Wann diese Maßnahme bei Ihnen nicht mehr notwendig ist, hängt vom Heilungsverlauf ab. Dies wird Ihr Arzt in den Nachsorgeterminen mit Ihnen besprechen.
Wann ist die beste Jahreszeit für eine Hüft-OP?
Es gibt aus medizinischer Sicht keine ungünstige Jahreszeit für eine Hüftoperation. Entscheidend ist immer die individuelle Lebenssituation des Patienten. Wenn die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist und die oben genannten Kriterien für eine Operation erfüllt sind, wird Ihr Arzt den günstigsten Zeitpunkt für die Hüft-OP gemeinsam mit Ihnen festlegen.
Risiken einer Hüft-OP
Jede Operation geht mit gewissen Risiken einher. Dazu gehören bei der Hüft-OP:
- Nachblutungen
- Wundheilungsstörungen
- Venenthrombose (eine entsprechende Thromboseprophylaxe wird einige Wochen vor und nach dem Eingriff durchgeführt)
- Infektionen
- Verkalkungen und Verwachsungen um das Hüftgelenk
Prävention: Was Sie tun können, um eine Hüft-OP zu vermeiden
Die häufigste Diagnose, die zu einer Prothese im Hüftgelenk führt, ist die Arthrose. Deswegen sollten Sie die Risikofaktoren, die einen Gelenkverschleiß begünstigen, möglichst vermeiden.
Die häufigsten Risikofaktoren für Arthrose sind:
- starkes Übergewicht
- Sportliche Aktivitäten wie Stop-and-Go-Sportarten (zum Beispiel Handball, Fußball oder Tennis)
- zu wenig Bewegung
- ungesunde Ernährung
- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
- übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum
Eine ausgewogene Ernährung in Kombination mit Bewegung kann die Gelenkfunktion ebenfalls beeinflussen. Bei vorliegenden Stoffwechselerkrankungen (wie beispielsweise Diabetes) sollten die Blutzucker- und Blutfettwerte optimal eingestellt sein.
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