Warum ist UV-Schutz gerade im Frühling wichtig?
Im Frühling wirkt die Sonne besonders aggressiv auf unsere Haut. Das hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen ist unsere Haut nach den langen Wintermonaten noch nicht an stärkere Sonneneinstrahlung gewöhnt. Die schützende Pigmentierung, die später im Jahr zur Filterung der ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen) beiträgt, ist jetzt noch schwach und muss sich erst wieder stärker ausbilden. Zum anderen ist auch die Ozonschicht, die ebenfalls UV-Strahlung filtert, im Frühling noch sehr dünn.
„Beide Faktoren erklären, warum es besonders zum Frühlingsbeginn wichtig ist, die Sonne mit ausreichendem UV-Schutz zu genießen“, sagt Prof. Dr. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal. „Viele Menschen unterschätzen, wie viel Kraft die Sonne bereits hat – und dass bei ungeschütztem Sonnenbaden auch im Frühling schon ein erster Sonnenbrand möglich ist.“
UV-Index als Richtwert für die Intensität der Sonnenstrahlung
Um einschätzen zu können, an welchen Tagen ein UV-Schutz nötig ist, hilft der Blick auf den UV-Index. Der UV-Index wird vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sowie vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ermittelt und veröffentlicht. Eine tagesaktuelle Karte zum UV-Gefahrenindex finden Sie hier. Nicht zuletzt weisen auch viele Online-Wetterportale und Wetter-Apps die örtlichen UV-Werte aus.
Da Kinderhaut empfindsamer ist als die Haut von Erwachsenen, wird Eltern auch bei geringer UV-Intensität dazu geraten, ihre Kinder mit Sonnencreme einzucremen. Ab einem UV-Index von 3 sollten sich auch Erwachsene schützen. Bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne von mehr als zwei Stunden gilt diese Empfehlung auch für Menschen mit dunklerem Hauttyp.
„Als ungefährlich gilt nur ein UV-Index von 1 und 2“, sagt Professorin Silke Hofmann. „Ein Wert von 3 kann in Deutschland an sonnigen Tagen bereits im März oder April erreicht werden. Daher lautet die Empfehlung, sich über den örtlichen UV-Index tagesaktuell zu informieren.“
Folgen fehlenden Schutzes: Hautkrebsrisiko und vorzeitige Hautalterung
Auf Platz eins der Faktoren, die die Hautalterung beschleunigen, liegt die Sonne – konkret die UV-Strahlung. Sie gilt auch als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Durch die ultravioletten Strahlen wird das Erbgut in den Zellkernen der obersten Hautschicht (Epidermis) geschädigt. Kommt die Haut mit der Heilung nicht mehr nach, können sich die angegriffenen Zellen zu Krebs verändern. UV-Schutz ist somit eine wirksame Anti-Aging-Maßnahme und die wichtigste Methode, um Hautkrebs vorzubeugen.
"Gebräunte Haut wird oft mit Vitalität und Gesundheit gleichgesetzt. Aber: Es gibt keine gesunde Bräune. Bräunung ist eine Abwehrreaktion der Haut, um sich vor den schädlichen Einflüssen des Sonnenlichts zu schützen. Sie ist ein Anzeichen dafür, dass die Haut bereits eine gewisse Dosis an UV-Strahlung – und damit einen gewissen Grad an Verletzung – abbekommen hat“, sagt die Dermatologin.
Vitamin D-Bildung durch Frühlingssonne
Viele Menschen wollen die ersten warmen Tage im Frühling nutzen, um ihren niedrigen Vitamin-D-Spiegel zu erhöhen. Circa 80 bis 90 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs produziert der Körper selbst mithilfe von Sonnenlicht, genauer: den UVB-Strahlen. Der UV-B-Anteil des Sonnenlichts ist somit die wichtigste Quelle für die menschliche Vitamin-D-Versorgung. Eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr allein über die Ernährung ist hingegen nicht möglich.
Zwischen Oktober und März ist die Sonneneinstrahlung in Deutschland jedoch nicht stark genug für die eigene Vitamin-D-Synthese, sodass der Körper auf Reserven aus den Sommermonaten zurückgreift. Die Folge: Der Vitamin-D-Spiegel sinkt.
Vitamin D und Hautgesundheit im Frühling
Clever gewählte Momente unter freiem Himmel helfen, die Vitamin-D-Reserven wieder aufzufüllen, ohne die Haut zu stark zu gefährden. Zwar wirkt die UV-Strahlung in der Mittagszeit am effektivsten für die Vitamin-D-Bildung, hier ist aber auch die schädigende Wirkung auf die Hautzellen am stärksten. Wenn möglich, sollten für Aufenthalte im Freien daher die Vor- oder Nachmittage gewählt werden.
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt für die risikofreie Vitamin-D-Bildung, Gesicht, Arme und Hände zwei- bis dreimal pro Woche unbedeckt und ohne UV-Schutz die Hälfte der Zeit, in der ungeschützte Haut keinen Schaden nimmt ("Eigenschutzzeit"), der Sonne auszusetzen. Diese Zeit reicht aus, damit der Vitamin-D-Stoffwechsel über die Haut angeregt wird.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für die körpereigene Bildung von Vitamin-D folgende Richtwerte für den Aufenthalt in der Sonne:
Monate im Jahr | Dauer der Sonnenbestrahlung bei Hauttyp I bis II | Dauer der Sonnenbestrahlung bei Hauttyp III bis IV |
---|---|---|
März bis Mai | 10 bis 20 Minuten | 15 bis 25 Minuten |
Juni bis August | 5 bis 10 Minuten | 10 bis 15 Minuten |
September bis Oktober | 10 bis 20 Minuten | 15 bis 25 MInuten |
Quelle: Vitamin D | DGE
Wichtig: Bei Aufenthalten am Vormittag (10.00 bis 12.00 Uhr) sowie am Nachmittag (15.00 bis 18.00 Uhr) kann die Dauer der Sonnenlichtbestrahlung laut DGE verdoppelt werden.
In Solarien sind die UV-Werte anders als bei einer natürlichen Bestrahlung durch die Sonne. So kann die UVA-Strahlung im Solarium zwischen sechs bis zehnmal höher sein als die der Sonne. Hinzu kommt, dass UVA-Strahlung keinen Einfluss auf die körpereigene Vitamin-D-Produktion hat, jedoch das Hautkrebsrisiko erhöht.
Hauttyp und Eigenschutzzeit
Die Eigenschutzzeit fällt je nach Hauttyp und UV-Index unterschiedlich aus. Menschen mit den helleren und empfindlicheren Hauttypen 1 und 2 bekommen bei ungeschütztem Aufenthalt in der Sonne schneller einen Sonnenbrand als Menschen mit den dunkleren Hauttypen 3 und 4. An Tagen mit intensiver Sonneneinstrahlung liegt die Eigenschutzzeit in der Regel bei:
- Hauttyp 1 (meist rote Haare, immer Sommersprossen, wird eigentlich nicht braun): 10 Minuten
- Hauttyp 2 (blond-braune Haare, helle Augen, oft Sommersprossen, bräunt langsam): 10 bis 20 Minuten
- Hauttyp 3 (braune Haare, vorwiegend braune Augen): 20 bis 30 Minuten
- Hauttyp 4 (bräunliche Haut, nie Sommersprossen): mehr als 30 Minuten
Vitamin D-Mangel ausgleichen
Um zu klären, ob ein Vitamin D-Mangel vorliegt, kann die hausärztliche Praxis den Vitamin-D-Status durch einen Bluttest bestimmen. Die DGE geht davon aus, dass rund 60 Prozent aller Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind. In diesen Fällen kann die Einnahme von Vitamin D-Tabletten sinnvoll sein. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte die Dosierung immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Effektive Sonnenschutzstrategien im Frühling
Wer die ersten warmen Tage des Jahres für Aktivitäten im Freien nutzen möchte, sollte sich bereits zu Hause mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) eincremen. Wichtig ist dabei, alle nicht von Kleidung bedeckten Körperstellen zu schützen und ausreichend Creme zu benutzen. So sollte beispielsweise beim Eincremen des Gesichtes auch an Stirn und Ohren gedacht werden. Lippenpflegestifte mit einem hohen LSF sorgen für den nötigen Schutz der Lippen.
Ergänzende Methoden: Kleidung und Schatten
Bei längeren Aufenthalten im Freien sollte zusätzlich lange Kleidung oder eine Kopfbedeckung genutzt werden, um sich vor der UV-Strahlung schützen. Da auch im Frühling der UV-Index zur Mittagszeit am höchsten ist, sollte zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr Schatten aufgesucht werden.
Empfehlungen für gesundheitsbewusste Eltern
Die Kinderhaut ist deutlich dünner und nicht so widerstandsfähig. Ihre Selbstschutzmechanismen sind noch nicht so ausgeprägt, weshalb Kinder häufig zu verschiedenen Hautkrankheiten wie beispielsweise Neurodermitis neigen. Und: Kinderhaut ist auch empfindlicher gegenüber Sonnenlicht. Die UV-empfindlichen Stammzellen, aus denen sich neue Hautzellen bilden, liegen bei Kindern viel dichter unter der Hautoberfläche. Deswegen ist es von klein auf wichtig, übermäßige Sonne zu vermeiden. Erst mit der Pubertät, die ungefähr mit 12 Jahren beginnt, entspricht die Haut im Aufbau und den Funktionen der eines Erwachsenen.
„Die Haut „merkt“ sich jede UV-Belastung – besonders einen Sonnenbrand. Wiederholen sich Sonnenbrände, dann verstärken sich die Schäden, welche die Sonne in den Hautzellen angerichtet hat. Vor allem Sonnenbrände in den ersten 20 Lebensjahren erhöhen das Hautkrebsrisiko erheblich,“ sagt Professorin Silke Hofmann, die auch Inhaberin des Lehrstuhls für Dermatologie der Universität Witten-Herdecke ist.
Schutz der ganzen Familie vor schädlicher UV-Strahlung
Folgende Tipps verhelfen im Frühling und Sommer zu einer sorgenfreien Zeit im Freien:
- Berücksichtigen Sie beim Aufenthalt in der Sonne die Eigenschutzzeit der Haut.
- Gewöhnen Sie die Haut im Frühling langsam an die Sonne.
- Informieren Sie sich vor allem zwischen April und September täglich über den UV-Index. Tragen Sie ab einem UV-Index von 3 eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf.
- Ab einem UV-Index von 8 sollte der Aufenthalt im Freien vermieden werden. Versuchen Sie an diesen Tagen, Aktivitäten in der Natur auf die Morgen- und Abendstunden zu verlegen. Ein solcher UV-Wert ist in Deutschland etwa ab Juni möglich.
- Suchen Sie insbesondere mit Babys und Kindern während der Mittagszeit den Schatten auf.
- Tragen Sie eine Sonnenbrille, um Ihre Augen bei starker Sonneneinstrahlung zu schützen.