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Sport mit Hüft-TEP: Was ist möglich?

Viele Menschen, die eine Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) erhalten, fragen sich: Ist Sport mit einem künstlichen Hüftgelenk überhaupt möglich? Die klare Antwort lautet: Ja! In vielen Fällen ist Sport nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich empfohlen. Lesen Sie hier, warum Bewegung gerade mit Hüft-Totalendoprothese wichtig ist, welche Sportarten empfohlen werden und worauf Sie achten müssen.

01. April 2025
Ältere Frau auf Fahrrad

Was ist eine Totalendoprothese?

Eine Hüft-Totalendoprothese (TEP) ist ein vollständiger Ersatz des Hüftgelenks durch eine künstliche Prothese.

Wann ist eine Hüft-TEP notwendig?
Die Hauptgründe für eine Implantation sind:

  • Arthrose (Gelenkverschleiß): Fortschreitende Abnutzung des Knorpels führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
  • Verletzungen: Nach Unfällen oder Knochenbrüchen kann ein Gelenkersatz erforderlich sein.
  • Fehlstellungen: X- oder O-Beine können eine ungleichmäßige Belastung verursachen und die Gelenke schädigen.

Sport nach einer Hüft-TEP: Warum Bewegung entscheidend ist

Nach einer Hüft-OP neigen viele Patienten aus Angst vor Schäden oder Lockerungen der Prothese dazu, sich weniger zu bewegen. Doch genau das ist kontraproduktiv.

Laut Professor Andreas Enz, Chefarzt für Orthopädie an den Helios Kliniken Schwerin, sollten Patienten mit einer Hüft-TEP keinesfalls auf Sport verzichten: "Früher wurde oft zur Bewegungseinschränkung geraten. Heute wissen wir, dass regelmäßige, moderate Bewegung zahlreiche Vorteile hat: Sie hilft, das Körpergewicht zu kontrollieren, Muskeln aufzubauen, die Knochendichte zu erhalten und die allgemeine Koordination zu verbessern." Inzwischen stehen vor allem die positiven Aspekte von Bewegung im Vordergrund.

"Aktive Freizeitsportler sollten bereits im Beratungsgespräch vor dem Eingriff angeben, welche Sportart sie ausüben. Das kann einen Einfluss auf den Operationszugang oder auch auf das gewählte Modell der Prothese haben. Des Weiteren kann der Patient bezüglich einer Wiederaufnahme des Sports im Vorfeld beraten werden."

Moderne Prothesen haben eine durchschnittliche Haltbarkeit von bis zu 20 Jahren. Dies liegt vor allem an neuen Entwicklungen in den verwendeten Materialien. Zum Einsatz kommen beispielsweise Kobalt-Chrom-Molybdän-Verbindungen, Titan oder Keramik. Das Inlay besteht aus gut verträglichem hochvernetzten Polyethylen-Kunststoff. Diese Hochvernetzung des Kunststoffes hat wesentlich zur Verlängerung der Standzeit einer Hüft-TEP beigetragen.

Helios Kliniken Schwerin

Chefarzt Orthopädie | Helios Kliniken Schwerin

Früher wurde oft zur Bewegungseinschränkung geraten. Heute wissen wir, dass regelmäßige, moderate Bewegung zahlreiche Vorteile hat.

Vorteile von Bewegung nach Hüft-OP

Regelmäßige, moderate Bewegung nach der Hüft-TEP ist nicht nur für die Langlebigkeit der Prothese wichtig. Vielmehr ist sie heute auch Bestandteil eines aktiven Lebensstils, der dazu beitragen kann, das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, für Diabetes Typ 2 oder auch für bestimmte Krebserkrankungen zu reduzieren.

Regelmäßige moderate Bewegung bringt viele Vorteile für Körper und Geist:

  • Längere Haltbarkeit der Prothese: Gut trainierte Muskeln entlasten das Gelenk.
  • Verbesserte Beweglichkeit & Koordination: Durch gezielte Übungen bleibt das Gelenk stabil und flexibel.
  • Geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bewegung stärkt das Herz und verbessert die Durchblutung.
  • Vorbeugung von Osteoporose: Belastung der Knochen fördert deren Stabilität.
  • Psychische Vorteile: Sport reduziert Stress, steigert das Wohlbefinden und hilft, das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen.

Nach der Hüft-OP: Der Weg zur sportlichen Aktivität

Der Wiedereinstieg in den Sport hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Heilungsverlauf, das Fitnesslevel vor der OP und die gewählte Sportart:

  • Nach 3 Monaten: Erste gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen oder leichtes Radfahren sind möglich (sogenannter Low-Impact-Sport). Gegebenenfalls muss der Schwimmstil entsprechend angepasst werden.
  • Nach 6 Monaten: Höhere Belastungen wie Wandern oder kontrolliertes Krafttraining sind möglich – unter Anleitung eines Therapeuten.
  • Nach 12 Monaten: Für geübte Sportler kann unter bestimmten Bedingungen sogar ein (vorsichtiger) Wiedereinstieg in Sportarten wie Tennis oder Skifahren erfolgen (High-Impact-Sport).

Neben dem zeitlichen Abstand zur Operation sollten folgende Faktoren erfüllt sein:

  • Kein Ruheschmerz oder Belastungsschmerz
  • Stabile Verankerung der Prothese (radiologisch bestätigt)
  • Flüssiges Gangbild ohne Hinken oder Gehhilfen
  • Ausreichende Stabilität & Muskelkontrolle

Geeignete Sportarten für Hüft-TEP-Patienten

Während früher nach dem Einsatz einer Hüft-TEP grundsätzlich von hochintensiven ("High Impact") Sportarten, also Aktivitäten mit hoher körperlicher Belastung durch schnelle Stopps und Bewegungsänderungen wie beim Skifahren oder im Tennis, abgeraten wurde, wird heute verstärkt auf das Sportlevel der Patienten geschaut. Wichtig ist, dass eine Sportart bereits vor dem Gelenkersatz betrieben wurde, der Patient geübt darin ist und langsam sowie mit entsprechender Sorgfalt zurück in die Aktivität startet. Vor Wiederaufnahme des Sports sollte auf eine gute muskuläre Situation geachtet werden. Diese hat häufig unter der Arthrose gelitten, sie gilt es wieder aufzubauen.

"Die Erfahrung ist, dass die gefürchtete Beschädigung oder Lockerung der Hüftprothese äußerst selten auftritt. Zudem zeigen auch Befragungen unter Chirurgen, dass sportbedingte Zweitoperationen aufgrund zu hoher oder falscher sportlicher Belastung des Implantats nur zu etwa einem Prozent aller Revisionseingriffe führen", sagt Professor Enz.

Empfehlungen von Sportarten mit geringem Risiko

Personen, die vor dem Gelenkersatz wenig oder keinen Sport betrieben haben und nun mit künstlichem Hüftgelenk einer sportlichen Betätigung nachgehen möchten, sollten eine gelenkschonende Sportart mit geringem Verletzungsrisiko wählen. Empfohlen sind:

1. Gehen & Nordic Walking

  • Fördert die Durchblutung und Koordination
  • Stärkt die Muskulatur ohne übermäßige Belastung
  • Nordic Walking verbessert zusätzlich die Körperhaltung

2. Schwimmen & Wassergymnastik

  • Wasser reduziert die Gelenkbelastung um bis zu 90 Prozent
  • Ideal zur Kräftigung der Muskulatur
  • Geringes Verletzungsrisiko

3. Radfahren

  • Schont die Hüfte bei richtiger Sitzposition
  • Stärkt Beinmuskulatur und Kondition
  • Vermeidung von starkem Druck auf das Gelenk wichtig

4. Sanftes Yoga & Pilates

  • Verbessert die Beweglichkeit
  • Achtung: Keine Positionen mit extremer Hüftbelastung!

5. Wandern (auf weichem Untergrund)

  • Gute Mischung aus Bewegung und Krafttraining
  • Gleichmäßige Belastung der Hüfte

Sportarten, die vermieden werden sollten

Nach dem Einsatz einer Hüft-Totalendoprothese sollten sich die Patienten vor allem auf die Sportbereiche konzentrieren, die sie schon vor der Operation betrieben haben. Zu den hochintensiven Sportarten, bei denen für ungeübte Sportler das Verletzungsrisiko hoch ist und die deswegen nicht für Einsteiger mit Hüft-TEP geeignet sind, zählen:

  • Joggen & Sprinten: Hohe Stoßbelastung auf die Hüfte, besonders auf Asphalt
  • Skifahren & Snowboarden: Hohe Verletzungsgefahr durch Stürze
  • Tennis & Squash: Plötzliche Richtungswechsel können die Prothese belasten
  • Kontakt- & Mannschaftssportarten (Fußball, Basketball, Handball): Erhöhtes Sturz- und Verletzungsrisiko

"Grundsätzlich sollte die Wahl des Sports immer mit dem behandelnden Arzt oder später in der Reha-Phase mit dem Physiotherapeuten besprochen werden. Beide können Hinweise geben, was bei Aktivitäten mit hoher körperlicher Belastung beachtet werden sollte", sagt Professor Enz.

Je nach Erfahrungslevel ist es zum Beispiel möglich, auch eine Sportart wie Tennis mit Hüft-TEP weiter zu betreiben. Ein Wechsel vom Einzelspiel ins Doppel kann dann helfen, plötzliche Richtungswechsel und damit eine zu starke Belastung der Hüfte zu vermeiden.

Werden High Impact Sportarten mit Hüft-TEP ausgeübt, so empfiehlt sich eine Reduzierung der Belastungsintensität. Patienten sollten vorsichtiger und mit weniger Leistungsdruck an die Aktivitäten herangehen.

Von Kontakt- und Spielsportarten wie Basketball, Handball oder Fußball wird selbst erfahrenen Sportlern nach dem Einsatz einer Totalendoprothese abgeraten.

Mythen und Risiken: Sport mit künstlichem Hüftgelenk

Moderne Prothesen haben das Risiko für Lockerung und vorzeitigen Verschleiß stark gesenkt. Zudem wird aufgrund der Vielzahl an positiven Effekten – sowohl auf die Haltbarkeit des Gelenkersatzes als auch auf die Gesundheit der Patienten – inzwischen zu einer regelmäßigen und moderaten Bewegung geraten. Low Impact Sportarten sind hierbei für Freizeitsportler aller Erfahrungslevel geeignet.

Früher galt: "Mit einer Hüftprothese sollte man sich schonen." Heute wissen wir, dass zu wenig Bewegung mehr schadet als nützt.

  • Mythos 1: Sport lockert die Prothese.
    Nein! Moderne Prothesen sind stabil und für Bewegung ausgelegt.
  • Mythos 2: Man kann nie wieder joggen.
    Nicht pauschal. In manchen Fällen kann gelenkschonendes Laufen möglich sein.
  • Mythos 3: Sport verkürzt die Lebensdauer der Prothese.
    Im Gegenteil! Aktivität verbessert die Haltbarkeit des Implantats.

Fazit: Bewegung ist essenziell

Sport mit einer Hüft-TEP ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Die richtige Auswahl der Sportart, ein schrittweiser Wiedereinstieg und die Rücksprache mit dem Arzt helfen dabei, aktiv und gesund zu bleiben.

Tipp: Passen Sie Ihr Training individuell an und hören Sie auf Ihren Körper. Denn mit der richtigen Strategie steht einem sportlichen Leben nach einer Hüftprothese nichts im Weg!

Hinweis der Redaktion: Die im Artikel gewählte männliche Form bezieht sich immer auch auf weibliche und diverse Personen, die ausdrücklich mit gemeint sind.

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