Jede Operation, insbesondere ein Eingriff im Bauchraum, bedeutet eine besondere Belastung für den menschlichen Organismus:
- Stressreaktion
- Schmerzen
- Intravenöse Flüssigkeitsüberlastung
- Unterkühlung während der Operation
- Darmlähmung (Darmatonie)
- Übelkeit und Erbrechen nach der Narkose
- Immobilisation, Bettruhe
- Fastenperioden vor und nach der Operation
Die Summe der Veränderungen, die im Körper dabei ablaufen, wird auch als „Operationskrankheit“ bezeichnet. Vor diesem Hintergrund galt bislang eine Darmoperation als mittelgroßer chirurgischer Eingriff, nach dem die Patienten mindestens zehn bis 15 Tage im Krankenhaus bleiben mussten.
Was bedeutet „Fast Track“ Chirurgie?
Nach dem Eingriff sind die Patienten wesentlich schneller belastungsfähig und mobil und können die Klinik oft schon nach fünf bis siebe Tagen verlassen.
"Fast-Track" oder "schnelle Schiene" betont die rasche Wiederherstellung und Rehabilitation nach einer Operation. Dieses inzwischen sehr erfolgreiche Konzept bedeutet für den Patienten geringere allgemeine Risiken, bessere und schnellere Erholung nach einer Operation und führt zu einer Verkürzung des stationären Aufenthaltes.
Was genau kann nach dem Fast-Track-Konzept behandelt werden?
Grundsätzlich können alle geplanten bauchchirurgischen Eingriffe nach diesem Prinzip durchgeführt werden. Besonders geeignet sind aber vor allem Darm-Operationen, zum Beispiel bei Divertikelkrankheit, bei Tumoren des Dick- und Enddarms, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa).
Wie funktioniert die Fast-Track-Chirurgie?
Vor der Operation
Vor der Operation erfolgt zunächst neben der allgemeinen Aufklärung über den Eingriff und die Narkose ein motivierendes Gespräch über die aktive Rolle des Patienten bei der Rehabilitation.
Eine ausgiebige Darmspülung, wie sie bislang vor jeder Dickdarmoperation notwendig war und von Vielen als äußerst unangenehm empfunden wurde, ist ersetzt durch deutlich mildere Methoden? Während bei der klassischen Behandlung vom Vorabend der Operation an nichts mehr gegessen und getrunken werden durfte können und sollen die Patienten jetzt bis zwei Stunden vor dem Eingriff Flüssigkeiten trinken.Damit spart man auch Infusionen, die sonst während und nach der Operation notwendig waren, jedoch für die Organe nicht günstig sind.
Während der Operation
Der Eingriff selbst wird unter Einsatz aller technischen Hilfsmittel so schonend wie möglich durchgeführt: z.B. über kleine, quere Bauchschnitte bzw. mit minimal invasiver Technik („Schlüssellochtechnik“), blutarmes Durchtrennen von Gewebe, Verwendung von wenig Drainagen und Kathetern.??
Zum Fast Track gehört auch ein neues Narkosekonzept: Im Gegensatz zur bisher alleinigen Vollnarkose werden begleitend über einen rückenmarksnahen Periduralkatheder Schmerz- und Betäubungsmittel gegeben. Damit spart man bei der Operation Narkosemittel, die Patienten erwachen schneller nach dem Eingriff, die Darmtätigkeit ist weniger gelähmt. Zudem erhalten die Patienten über diesen Schmerzkatheter in den ersten Tagen nach der Operation eine Medikamentenkombination zur Schmerzbehandlung, welche den Organismus nicht so belastet, wie die bisher benutzen Wirkstoffe.?
Damit ist auch eine rasche Mobilisation möglich, die noch am Operationstag mit Aufsetzen und den ersten Schritten beginnt und mit Unterstützung durch Pflegekräfte täglich gesteigert wird.
Drainagen, Katheter und Verbände werden baldmöglichst entfernt, die Wunden sind mit einem nicht sichtbaren, selbstauflösenden Faden verschlossen, so dass am zweiten Tag geduscht werden kann.
Nach der Operation
Bereits wenige Stunden nach der Operation wird wieder mit der Nahrungsaufnahme begonnen, zunächst mit Tee, Joghurt und Energie-Drinks, weiter dann je nach Eingriff und subjektivem Empfinden bis zur normalen Kost.
Dieser gesamte Ablauf wird überwacht und den Bedürfnissen des einzelnen Patienten angepasst mit dem Ziel, die oben genannten Risiken zu minimieren und eine schnellstmögliche Rehabilitation zu erreichen.